Extra-Newsletter vom 04.07.2020

Thema:

"Die Corona-Krise aus der Sicht des LangeWeges"

 

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Die Corona-Krise aus der Sicht des LangeWeges
Warum die Krise so und nicht anders bewältigt wird!
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Die Corona-Krise aus der Sicht des LangeWeges

Politiker betonen in der aktuellen Situation, dass ihr Vorgehen gegen die Ausbreitung des Corona-Virus in enger Abstimmung mit den maßgeblichen Wissenschaftlern, den Virologen, erfolge und dass sie bei den beschlossenen Maßnahmen den Empfehlungen der Experten folgten, um Menschenleben zu schützen bzw. nicht zu gefährden.

 

Das ist sinnvoll – macht aber auch nachdenklich.

Vor den Folgen des nicht mehr zu leugnenden menschengemachten Klimawandels, des ungebremsten Raubbaus an Mensch und Natur, der fortschreitenden Zerstörung unserer Lebensgrundlagen warnen Wissenschaftler schon seit vielen Jahren mit Fakten und Zahlen in aller Deutlichkeit! Man fragt sich also schon, warum hier eine vergleichbar strikte Reaktion der Politik und der Menschen ausbleibt.

 

Sicher, wir wollen vor allem in den Industrieländern natürlich unseren Wohlstand bewahren – die Arbeitsplätze, das Wachstum, die Konkurrenzfähigkeit sind existenziell wichtig. Alles, was dies bedroht, wird deshalb in die zweite Reihe verbannt.

 

Wir ernten, was wir säen

Zwischen Umweltzerstörung und Klimawandel einerseits und dem Auftreten von Epidemien und Pandemien anderseits darf ein Zusammenhang vermutet werden. Indem man beispielsweise den wild lebenden Tieren auf unserem Planeten immer mehr Raum wegnimmt, kommen uns diese zwangsläufig immer näher und damit verbunden auch Krankheiten, die bisher nicht auf Menschen übertragen wurden. In diesem Zusammenhang möchte ich daher das 16. Gesetz des LangeWeges anführen: Alles fällt auf uns zurück!

 

Warum die Krise so                                            und nicht anders bewältigt wird

Ein wesentlicher Grund für die ausbleibende bzw. verschleppte Reaktion auf die besorgniserregende Klima- und Naturentwicklung ist ebenfalls bei den Gesetzen des LangeWeges zu finden, genauer im 6. Gesetz: „Der Mensch wird durch kurzfristige Konsequenzen gelenkt.“ 

Nur was wir unmittelbar erleben, geht uns wirklich unter die Haut, bringt uns zum Nachdenken, lässt uns handeln. Die frühen Bilder aus Italien in den Nachrichten, die zeigten, wie Armee-LKWs die Opfer der Corona-Virus-Erkrankung zu den überfüllten Krematorien fuhren, schockierten uns unmittelbar. Wir litten mit den Betroffenen mit, die ihre Angehörigen verloren hatten oder um das eigene Leben bangen mussten.

 

Ganz anders bei der Umweltzerstörung und beim Klimawandel. Abgesehen von einigen Ignoranten, Leugnern und Ewiggestrigen können wir beides inzwischen deutlich beobachten und spüren. Dennoch kommt hier die Bedrohung über einen langen Zeitraum ganz allmählich, häufig auf leisen Sohlen, näher. Die sukzessive Entwicklung bei der Umweltzerstörung mag an die Geschichte vom Frosch im erhitzten Wasserglas erinnern: Setzt man einen Frosch in ein Glas mit heißem Wasser, hüpft er sofort heraus. Setzt man ihn in lauwarmes Wasser, das man allmählich erhitzt, verharrt er im immer heißer werdenden Wasser, bis er stirbt.

 

Das 6. Gesetz des LangeWeges – „Der Mensch wird durch kurzfristige Konsequenzen gelenkt“ – könnte im weiteren Verlauf der Pandemie fortgesetzt gelten – auch in der „umgekehrten“ Richtung: Werden keine oder nur wenige negative Konsequenzen erlebbar sein, dann könnte dies zu (verhängnisvollen) Nachlässigkeiten führen. Die Erinnerungen an die erschreckenden Bilder aus Italien würden dann eventuell verblassen. Wenn es in der eigenen unmittelbaren Umgebung dann keine Corona-Kranke gäbe und die Fallzahlen niedrig blieben, könnte dies zu der Annahme verleiten, dass die ganze Angelegenheit wohl doch nicht so schlimm sein kann.

Wenn in der Folge aufgrund des leichtsinnigeren Verhaltens die Infektionszahlen wieder stiegen, dann würde die Stimmung wieder ins Gegenteil kippen usw.

 

Der Welterschöpfungstag liegt immer früher

Der Welterschöpfungstag bezeichnet den Tag im Laufe eines Jahres, ab dem die Menschen mehr Ressourcen verbrauchen, als unser Planet in einem Jahr regenerieren kann. Jedes Jahr liegt dieser Tag etwas früher, inzwischen schon im Juli, das heißt, ein halbes Jahr lang beuten wir die Erde aus ohne Rücksicht auf irreparable Verluste.

Der Galopp in den globalen Burn-out geht munter und nahezu ungebremst weiter – das ist wissenschaftlich belegt, daran haben auch die Demos von Fridays for Future bisher nichts geändert.

 

Und was machen die Frö…, äh die Menschen?

Das langsame Anschleichen der Naturzerstörung mag manche auch deshalb weniger in Panik versetzen als eine Pandemie, weil damit eher eine Kontrollillusion verbunden ist. Ganz nach dem Motto: Man hat ja noch Zeit, das Problem zu entschärfen – der Himmel ist heute blau und er wird es morgen auch noch sein. Die Welt ist vor zehn Jahren noch nicht untergegangen und sie wird auch im Jahr 2030 noch da sein. Also gemach, gemach … 

„Angst ist kein guter Ratgeber“ ist auch aus Politikermunde zu hören, um dem schleichenden globalen Untergang weiter freie Bahn zu gewähren.

 

Ganz anders bei Corona

In der Krisensituation durch COVID-19 wird das psychische Grundbedürfnis nach Kontrolle in einer ganz anderen Weise tangiert. Das Virus kann unmittelbar tödlich sein und ist nur bedingt beherrschbar. Der Kontrollverlust ist offensichtlich. 

Wer hier weiter ignorieren, weiter verschleppen und fortgesetzt andere Dinge priorisieren würde … hätte reelle Chancen, in Kürze tot zu sein. Oder hätte den baldigen Tod anderer zu verantworten. Welcher Politiker möchte dafür schon den Kopf hinhalten?

Der Druck zu handeln, ist für alle in dieser Lage wesentlich höher.

 

Das Gefühl der Ohnmacht bzw. des Kontrollverlustes wird zusätzlich verstärkt, wenn es an Dingen mangelt, die gegen die Bedrohung schützen soll – Masken, Schutzkleidung, Desinfektionsmittel …. Besonders dann, wenn sie ausgerechnet bei den Berufsgruppen fehlen, die an vorderster Front helfen sollen, die Krise zu überwinden. Schnelles Handeln ist dann unausweichlich.

 

Sind die Menschen Frösche?

Die Frage drängt sich angesichts dieser Überlegungen durchaus auf.

Die Antwort: ein bisschen schon. Weil sie sich von der Illusion von Kontrollmöglichkeiten einlullen lassen. Weil sie vielleicht glauben, dass bei einer nur schleichend fortschreitenden Gefahr ein entsprechendes Handeln im Schneckentempo genüge. Und weil sie sich sehr stark von unmittelbaren Konsequenzen lenken lassen. 

Sind diese zu wenig spürbar – passiert wenig bis nichts! „Welterschöpfungstag“ – das ist ein abstrakter Begriff, das ist ein Datum, welches nicht unmittelbar weh tut. An diesem Tag wird keine Leiche ins Krematorium gefahren.

 

Froschähnliches Verhalten gibt es beim Menschen aber auch in anderen Zusammenhängen: Depressionen und andere psychische sowie psychosomatische Erkrankungen haben in den letzten Jahrzehnten drastisch zugenommen. Der enorme Verbrauch an Antidepressiva ebenfalls.

Durch Suizid starben in Deutschland im Jahr 2017 insgesamt 9235 Menschen.

Doch die Entwicklung unseres eigenen Burn-outs vollzieht sich genau wie der globale in kleinen Schritten, baut sich schleichend auf – und wird deshalb gesellschaftlich nicht als übermäßig bedrohlich wahrgenommen. Es trifft ja vermeintlich immer die anderen.

 

Scheinbare Lösungen, die alles wieder ins Lot bringen sollen, gehen meistens nur die Symptome an, beispielsweise die Entwicklung immer besserer Psychopharmaka. Schließlich entstehen psychische Probleme doch physisch, etwa durch einen Mangel oder eine Fehlregulation von Neurotransmittern. Da wird eine Pille schon helfen.

 

„Wir behandeln die Falschen“, betitelte Manfred Lütz eines seiner Bücher. Wer die Fakten und die wirklichen Zusammenhänge fortgesetzt ignorieren möchte, wer unbedingt Frosch bleiben will, der reduziert psychische Probleme auf eine Fehlsteuerung des Stoffwechsels. Und gefährdet damit Menschenleben.

 

Ob der Lösungsansatz bewusst falsch gewählt wird oder einfach nur den Vorteil hat, sich nicht mit den wahren Zusammenhängen auseinandersetzen zu müssen, sei dahingestellt. Die Alternative, solche Lösungen kritisch zu hinterfragen, wäre unbequemer: Dann kämen nämlich unangenehme Fragen auf den Tisch – unseren Lebensstil, unser Verhältnis zur Natur, unsere Arbeitswelt, unser Leben überhaupt betreffend.

Nein, die Neurotransmitter sind dann doch die bequemere Antwort.

 

COVID-19 und die Medien

Die Rolle der Medien bei der Konservierung von Problemen habe ich bereits in meinem Buch beschrieben. Gerne bezahle ich einen „Fünfer“ ins Phrasenschwein, wenn ich sage, dass nicht alle Medienvertreter gleich sind. Auch bei ihnen gilt, dass die Krise das Beste und das Schlechteste der Menschen zu Tage fördert. Allgemein stimmt es aber leider: Schlechte oder emotional aufgeladene „News“ verkaufen sich besser als gute Nachrichten. Deshalb wird gerne verkürzt, gespalten und hysterisiert – was keineswegs zur Lösung etwa des Corona-Problems beiträgt. 

Ein Grund für uns als Leser, unser Medienverhalten öfter mal zu überprüfen: Welche Inhalte konsumieren wir häufiger und was geben wir selbst davon weiter?

 

Lichtblicke

Was mir wie vielen anderen auch gerade in einer Krisensituation Mut macht, ist der ungeheure Erfindungsreichtum, die gegenseitige Rücksichtnahme, der Gemeinsinn und die Disziplin vieler Menschen. Weil wir in der Regel eher dafür sozialisiert wurden, individuell-stark, kritisch-distanziert gegenüber anderen und einzelkämpferisch zu sein, ist diese Beobachtung umso erfreulicher.

Ob dieser Effekt jedoch anhält, also in einem, zwei oder gar in fünf Jahren ungebrochen vorhanden sein wird? Das kann ich mir nur schwer vorstellen – ich hoffe, unrecht zu behalten.

 

Das psychische Grundbedürfnis nach Bindung und guten Beziehungen scheint allerdings gerade in schweren Zeiten in den Vordergrund zu rücken. In Zeiten der Krise ist Kooperation im Gegensatz zu Konkurrenzgebaren zweifelsfrei die erfolgreichere Strategie.

Doch nicht nur dann! Deshalb ist im Konzept des LangeWeges die Kooperation ein wesentlicher Bestandteil des Programms.

 

Eine kooperative Einstellung hilft beispielsweise dabei, komplexe Zusammenhänge zu verstehen. Schließlich sind verschiedene Aspekte der Realität in einer systemischen Weise miteinander vernetzt und beeinflussen sich wechselseitig. Einfache, unidirektionale Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge bilden die Wirklichkeit nicht umfassend ab. Gerade in einer Krise wird das noch einmal sehr deutlich. „Everything hangs together“, wusste schon Günther Oettinger, der frühere baden-württembergische Ministerpräsident.

 

Kooperation und Politik – geht das?

Doch zurück zur Anfangsüberlegung: Politiker orientieren sich gegenwärtig stark an den unmittelbar relevant erscheinenden Meinungen von Wissenschaftlern, speziell der Virologen. Inzwischen kommen wir aber zunehmend zu der Einsicht, dass COVID-19 sehr viele weitreichende Auswirkungen hat, nicht nur auf die Volksgesundheit. Deshalb möchte man auch andere Fachleute anhören, vor allem Ökonomen. Aber auch Soziologen, Psychologen, Biometriker ….

Man ist bestrebt, ein Problem gemeinsam und in seinen komplexen Zusammenhängen zu verstehen – mithilfe unterschiedlichster Perspektiven. Dann können auch die Lösungsansätze die Erkenntnisse der verschiedenen Fachrichtungen berücksichtigen.

 

Europa und der LangeWeg

Unabhängig vom weiteren Verlauf muss Europa checken, dass es in Zukunft nicht bloß darum gehen darf, auf einzelne Probleme (z.B. Corona-Bonds ja oder nein) Antworten zu finden – das würde bedeuten, fatale Fehler der Vergangenheit zu wiederholen. 

Europa könnte jetzt die Chance nutzen, künftig einen wesentlichen Teil seiner Energie darauf zu konzentrieren, gemeinsam besser und langfristig effektiver zu funktionieren.

 

Eine der Hauptbotschaften des LangeWeges lautet, dass der richtige Weg automatisch gute Resultate erzeugt. Das könnte auch für Europa gelten!

Den bisherigen Weg infrage zu stellen, ein wirklich neues Funktionieren zu entwickeln, stellt an die Verantwortlichen extrem hohe Anforderungen – dabei geht’s ans Eingemachte und ins Ungewohnte. Ob das zu schaffen sein wird? Man wird sehen ...

 

Corona stoppt das Hamsterrad

Zumindest temporär stimmt das. Viele können allerdings den Wiedereinstieg ins Hamsterrad kaum abwarten, sehnen sich nach der Rückkehr zur „Normalität“, zurück in die gewohnten Bahnen.

Das hat nicht nur ökonomische und finanzielle Gründe. Und liegt auch nicht bloß daran, dass sie wieder ein relativ angstfreies Leben mit den vertrauten sozialen Kontakten leben wollen.

Nein, ein Grund ist, dass die Menschen sonst Gefahr laufen würden, ins Nachdenken zu kommen – mit unkalkulierbaren Risiken.

 

Das Hamsterrad verhindert, uns selbst aus der Distanz betrachten zu können oder zu müssen. Wer ständig strampelt, hat keine Zeit zur Reflexion und zur Achtsamkeit – weder gegenüber sich selbst oder gegenüber seinen Mitmenschen noch gegenüber der Natur.

Und das ist nicht selten genau so gewollt.

Die Summe der individuellen Strampler hält das große Rad in Gang.

 

Aber gerade die Fähigkeit, distanziert sein zu können, ist die Voraussetzung für Entwicklung.

Was tue ich/tun wir eigentlich? Ist das dauerhaft gut für mich/uns/die Natur? Sind meine/unsere heutigen Antworten zukunftstauglich? Sollte ich/sollten wir meinen/unseren Weg nicht immer wieder prüfen – um das Wandeln auf Holzwegen zu vermeiden?

 

Wenn sich der Einzelne und die Gesellschaft solchen Fragen hamsterradbedingt nicht mehr stellt, dann haben wir alle ein gravierendes Problem. Dann gerät die Gesellschaft in einen Zustand der geschäftigen Lähmung. Sie ist dann unglaublich wuselig, ohne dass sich bei den wirklich wichtigen Dingen etwas bewegt. Vielleicht ist das ein entscheidendes Merkmal unserer Krise überhaupt.

 

Der Hamsterrad-Stopp verleitet manche zu bedeutungsschwangeren Prophezeiungen: „Die Welt wird nachher nicht mehr dieselbe sein …“, und sie meinen damit, sich künftig weniger abhängig machen zu wollen – von den Produkten anderer Staaten, beispielsweise der Medizin und Atemmasken aus China. Oder sie meinen damit, dass das Gesundheitssystem dann nicht mehr so stark unter dem Primat der Ökonomie stehen dürfe, dass intensivmedizinische Maßnahmen für etwaige Notfälle künftig mehr zur Verfügung gestellt werden müssten …. Oder sie meinen, dass die systemrelevanten Corona-Heldinnen – Pflegekräfte, Verkäuferinnen und viele mehr – in Zukunft mehr monetäre Wertschätzung erfahren sollten …. Aber ansonsten soll die Welt bitte schön schon dieselbe bleiben!

 

Die Corona-Chancen

Vielleicht sitzt der Schock bei manchen auch deshalb noch so tief, weil sie in ihrer selbstverliebten Ego-Kleinwelt einen ordentlichen Schuss vor den Bug bekommen haben. Aber der Mensch lebt nun mal eingebettet in größere Zusammenhänge – für manche eine schwierige, weil bisher ignorierte Erkenntnis. Sie ließ sich bisher prima ausblenden und jeder konnte sich ausschließlich um die eigene kleine Großartigkeit kümmern. 

 

Das Virus schüttelt die Menschheit momentan ordentlich durch. Es gibt viel Angst und Verzweiflung, Tote und Kranke sind zu beklagen. Das gesamte System – vor allem das Gesundheitswesen, die Wirtschaft und die Finanzen – kommt an seine Grenzen.

 

Das Durchschütteln könnte aber auch bewirken, dass die in Wirrnis und auf Abwege geratenen Hirnwindungen wieder in eine gesunde Ordnung geraten. Weil viele Menschen durch die aufgezwungene freie Zeit nun Zeit zum Nachdenken haben. Frei vom Hamsterrad, frei vom üblichen Getöse, frei vom Konsumterror, frei von der unhinterfragten Zerstreuung können die Menschen für sich selbst klären, was in ihrem Leben wirklich zählt: gute und liebevolle Beziehungen, Zusammengehörigkeitsgefühl, gelingende Kooperationen, Vertrauen in sich und in andere Menschen, ein selbstbestimmtes Leben … und: weniger ist mehr!

 

Verzicht ist in Wahrheit Gewinn.

 

Reduktion bedeutet überraschenderweise für viele mehr Lebensqualität. Die Menschen können durch die Krise erfahren, dass sich durch die Konzentration auf das Wesentliche die Lebensbedingungen verbessern können.

 

Das Durchgeschütteltwerden kann überdies auch das Herz wieder an den rechten Fleck rücken – in Form von Ehrfurcht und Demut gegenüber der Natur etwa. Deutlich und spürbar wird nun für die Menschheit, dass wir in ihrer Hand liegen. Wir sind von ihr abhängig, nicht umgekehrt. Deshalb sollten wir die Hand, die uns nährt, künftig schützend, würdig und respektvoll behandeln.

 

Ausblick

Aber wird sich künftig wirklich nachhaltig etwas ändern? Die Verantwortlichen aus Politik und Wissenschaft sind gerade dabei, das Loch im Bug unseres Riesentankers, zugefügt vom Corona-Torpedo, zu flicken. Sollte das gelingen, wird es danach ein paar Regeländerungen an Bord geben. Anschließend wird der Tanker weiterschippern. In dieselbe Richtung wie vorher. Vielleicht anfangs nur ein bisschen langsamer. 

Wohin auch sonst? Eine Irrfahrt à la Odyssee können wir nicht gebrauchen!

 

Damit wäre die Frage, wie die Welt in einem Jahr und in fünf Jahren ausschauen wird, beantwortet, oder? Nicht ganz. Natürlich wird es „weiter so“ gehen, aber der Riesentanker ist einmal ins Trudeln gekommen. Er geht davon nicht gleich unter, aber er ist schwer angeschlagen. Noch so ein Torpedo, dann läuft er möglicherweise auf Grund.

 

Vielleicht passiert aber vorher noch etwas anderes. Das würde ich mir zumindest sehr wünschen. Eine Revolution „von oben“ wird es nicht geben – wir „von unten“ sind gefragt. In meinem Buch „Wer nix checkt, kann nix ändern!“ habe ich die Meinung vertreten, dass ein gutes Funktionieren im Kleinen – von Individuen oder kleineren Gruppen – eine positive ansteckende Wirkung für große soziale Einheiten entfalten kann.

 

Sollten wir also einen Wandel in Richtung eines identitätsstiftenden ethischen Pragmatismus erleben, dann wird er von uns Normalbürgern wenn nicht initiiert, dann doch zumindest getragen werden.

 

Lassen wir uns in Nachkrisenzeiten nicht mehr nur von den kurzfristigen, sondern vor allem von den langfristigen Konsequenzen leiten. Die Natur wird es uns danken, wir werden im Sinne der Lebensqualität und unserer Werte davon profitieren!

 

Mein nächster Newsletter erscheint voraussichtlich am 02.10.2020.

Ich freue mich, dich dann wieder als Leser begrüßen zu dürfen.

 

Geh beharrlich deinen Weg – meine besten Wünsche begleiten dich dabei

Herbert Lange