· 

5. Gesetz: Gestalte vorausschauend

Selbstwirksamkeit
Selbstmanagement

Das Leben vorausschauend gestalten – das hört sich irgendwie nicht sexy an, oder? Für dich mag es vielleicht sogar ziemlich anstrengend und eher abtörnend klingen. Man weiß ja aus vielen Ratgebern, was das heißt: in dich hineinzuspüren, nachzudenken, zu planen, einen dienlichen Weg zu entwickeln und diesen dann auch noch umzusetzen! Da fragst du dich wahrscheinlich schon, ob sich die Mühe überhaupt lohnt.

Kommt es doch im Leben erstens ohnehin anders und zweitens als man denkt! „Nein, nein, das mit dem vorausschauenden Planen lasse ich mal lieber und lebe spontan im Hier und Jetzt, indem ich auf meinen Bauch höre“, magst du jetzt denken.

 

Aber sind die beiden „Lebenseinstellungen“ tatsächlich unvereinbar? Oberflächlich betrachtet, ist das vielleicht so. Aber ich möchte behaupten, dass vorausschauende und spontane Lebensgestaltung sich in einem guten Selbstmanagement wunderbar ergänzen können. Wichtig ist dabei nur, die richtige Balance zwischen beidem zu finden. Untersuchen wir also zunächst beide Einstellungen genauer. 

 

Selbstmanagement I: Carpe diem                         – lebe im „Hier und Jetzt“!

Du bist und lebst streng genommen immer nur genau im Jetzt, im aktuellen Augenblick. Alles andere sind gedankliche Konstruktionen oder Illusionen. Bist du gedanklich im Gestern oder im Morgen, lenkst du dich vom Jetzt ab. Diese Erkenntnis ist nicht neu und solche oder ähnliche Sätze hast du sicher schon oft gelesen. Doch was bedeutet das genau?

 

Manchmal habe ich im Gespräch mit anderen Menschen erlebt, dass diese mich zwar angeschaut haben, aber ich mich trotzdem nicht gesehen fühlte. Ihr Blick richtete sich auf mich, schien aber irgendwie durch mich hindurch zu gehen. Ich hatte den Eindruck, dass mein Gegenüber mit seinen Gedanken ganz woanders und nicht bei unserem Gespräch war, nicht im Kontakt, nicht im Jetzt mit mir, sondern irgendwo in einer gedanklichen Parallelwelt.

Ich möchte wetten, du kannst von ähnlichen Erfahrungen berichten ...

 

Wenn Menschen kochen, wandern, radeln, Sex haben, Musik hören, ein Bild anschauen, sich mit anderen unterhalten … sind sie im Kopf oft gleichzeitig ganz weit weg. Je öfter und je weiter sie weg sind, desto weniger können sie den jeweiligen Moment wahrnehmen bzw. genießen – und rauben sich damit selbst sehr viel Lebensqualität!

Wer jedoch den Weg der Achtsamkeit beschreitet – also lernt, sich auf den Augenblick zu konzentrieren, ohne ihn gleich wieder zu bewerten und in eine Schublade zu packen –, kann viel Gutes erleben und auch intensiver genießen.

 

Der Weg der Achtsamkeit fördert folglich – wie der LangeWeg auch – positives Erleben und hat viele gedeihliche Konsequenzen. Trotzdem beschreiten ihn vergleichsweise wenige Menschen. Die Frage ist, warum. Sicher könnte man viele Gründe anführen, ich möchte mich hier auf einige wenige beschränken:

 

  1. Menschen wollen sich ablenken. Die Motive hierfür können ganz unterschiedlich sein. Beispielsweise sind manche außerordentlich bestrebt, sich und anderen gegenüber stets ihre Wichtigkeit oder ihre Unentbehrlichkeit unter Beweis zu stellen. Deshalb „müssen“ sie fortwährend gleichzeitig an alles Mögliche denken oder auf jedes Gepiepe, Gesurre und Geblinke sofort reagieren.
    Ruhe oder Achtsamkeit sich und der Gegenwart gegenüber zu pflegen, kann aber auch bedeuten, mit sich selbst stärker in Kontakt zu kommen
    – was viele tunlichst vermeiden wollen …
    Ablenkung hilft manchen Menschen aber auch einfach dabei, ihrem stressigen oder tristen Alltag zumindest für eine kurze Zeit zu entfliehen.

  2. Menschen wollen so bleiben, wie sie sind. Wer Achtsamkeit praktiziert oder den LangeWeg geht, entwickelt sich weiter. Viele Menschen wollen sich aber gar nicht entwickeln – und damit verändern –, noch nicht einmal zu ihrem Vorteil. In meinem Buch „Wer nix checkt, kann nix ändern!“ habe ich mehrfach darauf hingewiesen, dass die menschlichen Bewahrungskräfte enorm stark sind. Besonders eingeschliffene Gewohnheiten lassen sich oft nur schwer beeinflussen.

  3. Menschen vermeiden ihr Licht. Das war auch die Kernaussage des letzten Praxis-Artikels, in dem ich die Geschichte von Paula erzählt habe. Wahrscheinlich lässt sich sogar sagen, dass die Menschen sich gerne ablenken (lassen) und dass sie bleiben wollen, wie sie sind, weil sie bewusst oder unbewusst gar nicht zu ihrem Licht gelangen wollen.

    Viele Berater im Bereich der Persönlichkeitsentwicklung verstehen darunter die Entfaltung des individuellen Potenzials. Ich würde hingegen sagen, der Mensch nähert sich immer mehr seinem Licht, je besser es ihm gelingt, den Raum seiner Möglichkeiten auszuweiten.

    Worin besteht nun der Unterschied? Individuelles Potenzial „ausschöpfen“ bedeutet, wie der Begriff schon sagt, dass die/der Einzelne ihre/seine individuellen Fähigkeiten oder „Stärken“ maximal ausreizt. Erweitert ein Mensch jedoch seinen Möglichkeitsraum, dann heißt das nicht nur, dass er sich als Person weiterentwickelt. Es bedeutet darüber hinaus, dass er bestrebt ist, seine körperliche und soziale „Einbettung“ positiv zu beeinflussen, das heißt, die Beziehung zu sich und seiner Umwelt zu aller Vorteil zu verbessern. Besonders der sozialen Einbettung messe ich hierbei eine große Bedeutung zu. 

    LangeWeg-Geher streben deshalb sowohl die individuelle Weiterentwicklung als auch das kooperative Wachstum an.

Selbstmanagement II: Zukunft gestalten              – lebe mit Plan!

„Man muss das Leben nehmen, wie es kommt!“
Oder doch eher: „Das Leben kommt, wie man es nimmt!“?

Meines Erachtens steckt in beiden Aussagen ein Körnchen Wahrheit, jedoch weist der zweite Ausspruch darauf hin, dass der Mensch mit der Verankerung „im Jetzt“ auch seine Zukunft planvoll beeinflussen kann. Gemeint ist: Damit es für dich künftig viel Schönes im „Jetzt“ zu erleben gibt, solltest du mitbestimmen, wohin es gehen soll. Vorausschauend zu planen, macht durchaus Sinn.

 

Also können wir die Vergangenheit vernachlässigen – sie ist doch vorbei und spielt beim Planen der Zukunft folglich keine Rolle, oder? Ein Coach erklärte mir einmal, dass man bei der persönlichen Zielfindung und Zielverfolgung die eigene Geschichte nicht zu berücksichtigen brauche. Sich mit ihr zu befassen, sei pure Zeitverschwendung.

 

Nun, das ist ein folgenschwerer Irrtum. Denn wie ich es im LangeWeg deutlich beschreibe, haben wir alle fest eingeschliffene Denk-, Fühl- und Verhaltensmuster. Sie haben sich in der Vergangenheit herausgebildet und wirken sich in der Regel auch im „Jetzt“ und in der Zukunft aus – leider nicht immer positiv. Insofern haben wir unsere Vergangenheit immer dabei und müssen ihre Auswirkungen auf unsere Pläne mit ins Kalkül ziehen.

 

Solche dysfunktionalen Muster können einem ordentlich die Tour vermasseln
– vor allem auch beim Streben nach bestimmten Zielen. Deshalb sollte man sie kennen und berücksichtigen, was sie bewirken. Darüber hinaus ist es hilfreich zu wissen, wie man sie auflösen oder zumindest abschwächen kann.

 

Rücke also zuerst deinen ungünstigen Mustern, deiner Schadsoftware, die dein Denken, Fühlen und Verhalten ungünstig beeinflussen, zu Leibe, bevor du anfängst, Pläne für dein Leben und deine Ziele zu schmieden.

 

Hast du dich von deiner Malware befreit, kannst du deine Ziele bestimmen.
Wie das genau funktioniert und wie du deine Ziele planvoll und erfolgreich verfolgen kannst, wird im LangeWeg ausführlich beschrieben. 

Carpe diem versus Leben mit Plan?

Nein, eben kein „versus“! Ich empfehle dir vielmehr, beidem genügend Raum zu geben: Das Leben im „Hier und Jetzt“ – ich nenne es auch „Achtsamkeit für den Moment praktizieren“ – hat viele Vorteile. Durch Achtsamkeit kannst du nicht nur deine Fähigkeit zu genießen erheblich steigern. Sie erlaubt dir auch, bestimmte Situationen auf der geistigen, emotionalen und körperlichen Ebene besser zu verarbeiten. Für LangeWeg-Geher ist Achtsamkeit auch deshalb wichtig, um ihre oben erwähnten Muster identifizieren zu können.

 

Leben mit Plan oder Konzept ist aber ebenfalls wichtig. Herkömmlicherweise ist es jedoch so, dass sich Pläne stark auf Ziele beziehen oder gar mit ihnen gleichgesetzt werden: „Mein Plan ist es … nächstes Jahr nach Zypern zu reisen …, die Umsätze um 20 Prozent zu steigern ..., dieses Jahr ein Apfelbäumchen zu pflanzen …“ usw.

 

Der LangeWeg hingegen rät nicht dazu, stur bestimmte Ziele zu verfolgen – und diese mit den fest eingeschliffenen Programmierungen erreichen zu wollen. Nein, es geht in erster Linie darum, die eigene Selbstlenkung zu verbessern, um dadurch dann seine Ziele schneller und nachhaltiger erreichen zu können. Dich selbst vorteilhaft und wirksam selbst zu steuern, ist die Voraussetzung dafür, Pläne auch in einer gedeihlichen Weise umsetzen zu können.

Und das nicht als Einzelkämpfer, sondern in Kooperation mit Weggefährten.

 

Carpe diem und Leben mit Plan – beidem solltest du also ausreichend Platz einräumen. Und doch lautet das 5. Gesetz des LangeWeges: „Gestalte vorausschauend“. Diesen Appell habe ich in ein Gesetzt gekleidet, weil ich bis heute die Erfahrung mache, dass bei sehr vielen Menschen dieser Aspekt tendenziell zu kurz kommt. Viele planen ihre Urlaube gründlicher als ihr Leben. Und das eigene Leben nach einem bestimmten Weg oder nach einem bewusst gewählten Konzept auszurichten, ist noch einmal deutlich seltener zu beobachten.

 

Es gibt allerdings auch nicht wenige Menschen, die weder das eine noch das andere leben. Zu glauben, wenn man es ablehnt, Pläne zu machen, lebe man automatisch „einfach frei in den Tag hinein“, ist ein verbreiteter Denkfehler. Viele Menschen, die nach dem Credo leben: „Ich nehme das Leben so, wie es kommt“, beschummeln sich damit selbst. Okay, vielleicht haben sie keinen Plan, aber sie reagieren keineswegs so flexibel und frei auf die Lebensanforderungen, wie sie glauben. Ohne sich darüber bewusst zu sein, steuert ihr Autopilot ihr Leben.
In der Illusion „frei“ zu sein, sind sie Gefangene ihrer eingeschliffenen Gewohnheiten. Besonders dann, wenn sie sich des Vorhandenseins dieser Muster gar nicht bewusst sind.

 

Deshalb ist es für LangeWeg-Geher so bedeutsam, ihre Programmierung zu checken und gegenüber ihren Denk-, Fühl- und Verhaltensweisen achtsam zu sein. Nur so können sie anschließend wirklich frei entscheiden, welche Ziele und Pläne die Richtung ihres Lebens bestimmen sollen.

 

Stärke deine Selbstheilungskräfte durch eine verbesserte Selbstlenkung

Im vorigen Artikel habe ich angekündigt, dir zu zeigen, wie du mit dem LangeWeg auch deine Selbstheilungskräfte stärken kannst. Genau das ist das Thema des nächsten Praxis-Beitrags am 20.11.2020.

 

Ich freue mich, dich dann wieder als Leser begrüßen zu dürfen.

 

Geh beharrlich deinen Weg – meine besten Wünsche begleiten dich dabei

Herbert Lange

 

Stets über Neues vom LangeWeg informiert werden?

Abonniere den Newsletter!

Dafür gibt´s eine Gratis-Leseprobe von: "Wer nix checkt, kann nix ändern!"

Ich stimme der Verarbeitung meiner hier eingegebenen Daten zu. Die diesbezüglichen Informationen in der Datenschutzerklärung habe ich gelesen.*  Datenschutzerklärung anzeigen

Anmelden Abmelden

Kommentar schreiben

Kommentare: 0