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Paula – Auweia, mir läuft die Zeit davon!

Verschieberitis
Aufschieberitis überwinden

Paulas Chef hat die stark eingeschliffene Gewohnheit, Unangenehmes auf die lange Bank zu schieben – womit er regelmäßig Probleme und Konflikte produziert. Ein bisschen kann sie das sogar verstehen, denn auch sie leidet unter Aufschieberitis, wenn auch auf andere Art und Weise. Paulas Verschieberitis bezieht sich sowohl auf den privaten als auch auf den beruflichen Bereich. Sie äußert sich darin, dass sie sich durchaus ihrer Wünsche, Bedürfnisse und Ziele bewusst ist –sie aber so gut wie nicht verfolgt. Inzwischen zählt sie fünfzig Lenze und wenn sie in den Spiegel schaut, dann erschrecken sie die ersten grauen Haare und sie ertappt sich bei dem Gedanken: Mist, mir rennt irgendwie die Zeit davon! So viele Dinge hätte ich gerne unternommen und umgesetzt, privat und beruflich, aber immer war für mich etwas – oder jemand – anderes wichtiger …

 

Ein Zitat der amerikanischen Autorin Marianne Williamson, das sie kürzlich las, hat sie besonders berührt: „Unsere tiefste Angst ist nicht, dass wir unzulänglich sind, unsere tiefste Angst ist, dass wir unermesslich machtvoll sind. Es ist unser Licht, das wir fürchten, nicht unsere Dunkelheit.“ Paula spürt, dass diese Worte eine tiefe Wahrheit ihres Seelenlebens aussprechen. Es waren nicht Faulheit, Bequemlichkeit, Dummheit oder mangelnde Fähigkeiten, die sie immer wieder davon abhielten, ihr Licht anzustreben. Auch ein unzureichendes Zeitmanagement war nicht der eigentliche Grund, sondern eher ein Symptom. Nein, ihr wird klar: Sie fürchtet sich auf einer tieferen Ebene vor dem eigenen Licht! Auf ihrer Festplatte ist kein Programm installiert, das ihr Wachstum fördert, sondern eher eine Selbstbegrenzungssoftware. Und diese Malware sorgt bis heute dafür, dass sie praktisch alles, was sie persönlich weiterbringen könnte, was sie als Mensch wachsen ließe – emotional, geistig und fachlich –, ignoriert, kritisiert oder auf andere Weise sabotiert.

 

Nicht nur Paula ist vom SICH-SELBST-KLEIN-HALTEN-VIRUS infiziert.

Nein, sehr viele sind davon betroffen und so manchem Virenträger ist seine „Infektion“ nicht einmal bewusst.

Deshalb meine These:

 

Die Selbstbegrenzungsprogramme sind eine Volkskrankheit.

 

Sie entstehen meist durch ungünstige Anpassungen an Forderungen, Erwartungen oder Normen während der individuellen Entwicklung und schleifen sich dann in der Folge als feste Muster ein. Sie sind maßgeblich dafür verantwortlich, dass die/der Einzelne nicht an ihr/sein Licht gelangt. Und diesen Mustern wohnen in der Regel Schutzprogramme inne, welche ihre Löschung oder Abschwächung verhindern sollen – leider meist mit großem Erfolg. Mit Zähnen und Klauen versuchen sie also, die fest zementierten dysfunktionalen Denk- , Fühl- und Verhaltensmuster zu schützen.

 

Der Ursprung dieser verinnerlichten Programme kann unterschiedlich sein – häufig liegt er in wichtigen Bezugspersonen (z.B. während der Erziehung) oder verinnerlichten kulturellen Normen. Die meisten Menschen sind nach meiner Erfahrung auf die eine oder andere Weise davon betroffen – mal mehr, mal weniger. Zwar geht es vielen Menschen subjektiv betrachtet dennoch recht gut. Sie haben sich im und mit dem „System“ gut arrangiert und leben – halbwegs – zufrieden ein kulturkonformes Leben – ein anderes liegt ohnehin meist außerhalb ihrer Vorstellungskraft. Dass noch wesentlich mehr möglich wäre, ahnen sie manchmal aber doch ...

 

Aufschieberitis überwinden!

Die Diagnose ist also gestellt, wie sieht nun die „Therapie“ bei Paula aus?

Ein erster Schritt könnte sein, zunächst den LangeWeg-Test auszufüllen, um ihre schädliche Malware genauer zu identifizieren. Begleitend dazu ist ihr zu empfehlen, die unvorteilhaften Verarbeitungsmuster auch induktiv besser zu erkennen und zu erfühlen – sprich, durch Achtsamkeit zu erspüren und entsprechend einzuordnen.

 

Wenn sie sich im Laufe der Zeit ein sicheres Gespür und Wissen für ihre Schadsoftware erarbeitet hat, kann Paula daran gehen, diese allmählich aufzulösen. Dadurch wird der Weg frei, auf ihre Wünsche und Ziele hinzuarbeiten und sie nicht auf „irgendwann“ verschieben zu müssen.

 

Sobald Paula dies gelingt, kann sie in Verbindung mit ihren im Laufe ihres Lebens verschütteten Wünschen, Bedürfnissen und Zielen treten. Schon nach einer ersten Bestandsaufnahme ist ihr klar, dass sie künftig wesentlich mehr Zeit mit Menschen verbringen möchte, die für sie wertvoll und wichtig sind. Auch das Genießen – auf verschiedenen Ebenen – soll in ihrem Leben deutlich mehr Raum bekommen. Der beschriebene Prozess wird möglicherweise schon einige Zeit beanspruchen. Als Faustregel gilt: Je tiefer die Wünsche vergraben sind und je zementierter die Schutzprogramme sind, die das Ausgraben verhindern sollen, desto länger dauert der Prozess.

 

Bei allen drei Schritten – also Malware erkennen, Wünsche und Bedürfnisse eruieren sowie Ziele erfolgreich anstreben – kann die Imagination sensorischer Eindrücke (ISE) ein wichtiges Hilfsmittel sein. Wie ISE genau funktioniert, weißt du als Praxis-Leser/in inzwischen. Die Methode ist ausführlich in meinem Buch beschrieben.

 

Sicher hast du auch bemerkt, dass die Lösungssystematik des LangeWegs bei unterschiedlichen Problemen oft ähnlich ist. Hat man sie einmal verstanden, lassen sich die drei Hauptbausteine des Weges – Werkzeuge aneignen, geistige Grundhaltung entwickeln und „Grundgesetze“ beachten – für viele Probleme, Aufgaben und Ziele anwenden. Doch Obacht, ich halte es mit dem Spruch: „Neue Wege entstehen, indem wir sie gehen.“ Konkret heißt das, es nützt dir wenig oder nichts, den Weg nur theoretisch-intellektuell nachvollziehen zu können.

Nein, wirklich checken wirst du ihn erst, wenn du ihn praktisch umsetzt. 

 

Gemeinsam geht es sich besser

Auf 3sat war kürzlich ein sehr interessanter Film über den Placebo-Effekt zu sehen: https://www.3sat.de/gesellschaft/politik-und-gesellschaft/placebo-der-arzt-in-mir-110.html

Über den Film bin ich hocherfreut, weil er die Kernaussagen des LangeWeges wissenschaftlich weiter unterfüttert. Beispielsweise mit dem Hinweis, dass die Selbstwirksamkeitserwartung durch positive soziale Verstärkung erhöht werden kann – und dass dies inzwischen neurobiologisch nachweisbar ist.

Diese Erkenntnis stützt meine Empfehlung, als LangeWeg-Beschreiter an einer LW-Kleingruppe mitzuwirken. Weil dann die erfolgreiche Anwendung des Weges nicht nur mit der Qualität des Konzeptes oder mit der Überzeugung, dass das Konzept funktioniert, erklärt werden kann, sondern zusätzlich durch die soziale Verstärkung. Auch Paula würde davon profitieren.

 

Im Film werden hauptsächlich die Selbstheilungskräfte des Menschen beschrieben, die durch den Placebo-Effekt in Gang gesetzt werden können.

Der LangeWeg geht hier noch weiter und schaut gewissermaßen über den Tellerrand der Gesundheitsförderung hinaus. Er bietet ein generelles Konzept der Selbstlenkung an. Die dadurch gestärkte Selbstwirksamkeit ist umfassender und schließt auch ein höheres Selbstheilungspotenzial mit ein. Ein praktisches Beispiel dafür folgt in einem der nächsten Praxis-Artikel. 

 

Unterscheidung – Aufschieberitis vs. Prokrastination

Nimmt die Verschieberitis überhand, d.h. nimmt sie extreme Formen an und erzeugt einen entsprechenden Leidensdruck, dann wird sie als „Störung“ eingestuft und wird als Prokrastination bezeichnet. Krankhafte Aufschieberitis kann auch behandelt werden – eine Buchempfehlung dazu ist „Prokrastination: Ein Manual zur Behandlung des pathologischen Aufschiebens“ von A. Höcker, F. Rist und M. Engberding (Hogrefe, Göttingen 2013). 

 

5. Gesetz: Gestalte vorausschauend

Viele Menschen nehmen wahrscheinliche – oder zumindest mögliche – Entwicklungen gedanklich nicht oder kaum vorweg. Sie fangen erst dann an zu denken oder zu handeln, wenn es unumgänglich wird.

Sie reagieren, statt zu agieren, statt zu gestalten.

 

Meine Empfehlung: Agiere und gestalte, statt zu reagieren!

Darum geht’s im nächsten Basic-Artikel am 06.11.2020.

 

Ich freue mich, dich dann wieder als Leser begrüßen zu dürfen.

 

Geh beharrlich deinen Weg – meine besten Wünsche begleiten dich dabei

Herbert Lange

 

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