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Siegmund – „Keiner mag mich, obwohl ich ein toller Hecht bin“

Isoliert sein
Einsamkeit überwinden

Siegmund hängt manchmal Fantasien nach, in denen er sich schwerelos im Weltraum befindet. Er schwebt einsam und unverbunden im kalten All.

Wenn er an manchen Planeten vorbeigleitet, sieht er dort vergnügte und sich rege unterhaltende Menschengruppen, die sich offenkundig sehr gut verstehen. Manchmal winkt Siegmund so einer Gruppe zu, aber die Planetenmenschen reagieren nicht auf ihn. Auch in seinen Träumen streift er häufig als einsamer Wolf umher. 

 

Einsamkeit produziert Leid

Früher hatte Siegmund – oder Sigi, wie er kumpelhaft genannt wurde – genügend Freunde und Bekannte. Einsamkeit war für ihn in der Vergangenheit eigentlich kein Thema. Sie schlich sich eher ganz allmählich in sein Leben ein.

Im Grunde begann es bereits nach der Schulzeit. Viele vertraute Menschen zogen weg oder gingen feste Partnerschaften ein und waren dann immer weniger verfügbar. Hinzu kam, dass Siegmund im Laufe der Zeit ein paar heftige zwischenmenschliche Enttäuschungen erlebt hat. Mit Mitte zwanzig dachte er, die Liebe seines Lebens gefunden zu haben. Die „große Liebe“ hatte von ihm jedoch schon nach einem Jahr genug und suchte das Weite. Siegmund hat bis heute nicht die geringste Ahnung, was sie damals weggetrieben hat.

Ein paar Jahre später zerstritt er sich mit seinem besten Freund – aufgrund einer lächerlichen Lappalie, wie Siegmund damals meinte. Nach einigen eher losen Frauengeschichten ging er sehr hoffnungsvoll mit Ende dreißig wieder eine feste Beziehung ein. Zwei Jahre hielt diese an, dann brannte seine Partnerin durch – mit seinem Freund! Dem Einzigen, der noch übrig geblieben war.

 

Inzwischen ist Siegmund sechsundvierzig. Er fühlt sich unsicher, leer, traurig und verdammt wütend. Wenn er jetzt auf Menschen zugeht, dann spürt er in der Regel schnell deren Ablehnung. Er macht sich darüber viele Gedanken, die immer bei der gleichen Frage enden: „Eigentlich bin ich doch ein interessanter Typ, aber anscheinend mag mich keiner. Wie kann das sein?“

 

Wie die Einsamkeit entsteht

Die Einsamkeit hat ihren Ursprung häufig in negativen Beziehungserfahrungen. Manchmal wurden sie bereits in der frühen Kindheit erlebt. Im Laufe des Lebens kommen dann immer neue hinzu und hinterlassen ihre Spuren – gedankliche, gefühlsmäßige und körperliche Spuren, die sich langfristig sehr unvorteilhaft auswirken und die nach und nach ein Muster entstehen lassen können.

 

Menschliche Denk-, Fühl- und Verhaltensmuster führen oft eine Art Eigenleben, besonders weil sie im Laufe eines Menschenlebens dazu neigen, sich selbst zu zementieren. Beispielsweise indem der Mensch selektiv jene Eindrücke und Erfahrungen verstärkt wahrnimmt und als „wahr“ bewertet, die sein Muster zu bestätigen scheinen. Oder indem er tunlichst die Erfahrungen meidet, die sein Überzeugungssystem infrage stellen könnten.

Doch selbst wenn es gelingt, seine eigenen Muster bewusst ins Wanken zu bringen, muss man damit rechnen, dass sie Widerstand leisten – indem sie einem jede Menge schlechte Gefühle bescheren. Du siehst: Fest eingeschliffene Muster zu verändern, ist wahrlich keine leichte Aufgabe.

 

So ergeht es auch Siegmund. Obwohl er bewusst von sich denkt, „eigentlich“ ein ganz interessanter Typ zu sein, haben sich doch auf einer tieferen

– unbewussteren – Ebene im Laufe der Zeit erhebliche Zweifel eingeschlichen.

Wenn er heute auf attraktive oder interessante Menschen zugeht, dann ist ihm seine Unsicherheit, vor allem aber seine unterschwellige Enttäuschung und Wut körpersprachlich anzumerken. Außerdem lässt ihn die befürchtete erneute Ablehnung zusätzlich verkrampfen – das kommt nicht gut an.

 

Und noch eine Überzeugung macht ihm den Kontakt mit anderen schwer:

Als „Opfer“ von Enttäuschungen hat er in seinen Augen jetzt das Recht, gemocht zu werden und Zuneigung einzufordern. Das macht Siegmund aber fatalerweise unempfänglich für die Wünsche und Bedürfnisse seines Gegenübers. Er ist so sehr mit sich selbst beschäftigt, dass er für den Menschen, dem er sich annähern will, kein Sensorium mehr hat. 

 

Wie Siegmund die Einsamkeit überwinden kann

Als LangeWeg-Geher hast du sicher längst bemerkt, dass sich „Sigi“ vornehmlich im Kampfmodus befindet – und damit seine Schwierigkeiten konserviert.

Bei Hunden spricht man manchmal von Angstbeißern. Aus Angst verletzt zu werden, beißen sie präventiv zu.

Bei Siegmund verhält es sich ähnlich; aus der Befürchtung heraus – die inzwischen immer mehr auch zur Überzeugung geworden ist – abgelehnt zu werden, hat er sich ein aggressiv-forderndes Auftreten angewöhnt.

 

Nicht wenige Menschen neigen bei fortgesetzter Ablehnung zu einem mehr oder weniger ausgeprägten Rückzugsverhalten, also einem Vermeidungsmodus, um weiteren Enttäuschungen zu entgehen. Oder sie resignieren völlig (gehen also in den Unterwerfungsmodus) und können sogar zu regelrechten Menschenhassern werden. Soweit ist Siegmund aber noch nicht.

 

Welche Hinweise könnte ihm der LangeWeg geben, um seine Einsamkeit zu überwinden? Nun, zunächst könnte er seine Überzeugungen bewusst infrage stellen. Beispielsweise mit Fragen wie: Leiten sich aus meinen schlechten Erfahrungen heute berechtigte Forderungen ab? Warum sollte ein mir noch fremder Mensch meine Forderungen bzw. meine Wünsche erfüllen? Hat ein anderer Mensch nicht das Recht, mich abzuweisen? Müssen die Gründe dafür zwangsläufig mit mir zusammenhängen? Was ist an einer Ablehnung so schlimm?

Wichtig ist, bei der Beantwortung solcher Fragen ganz ehrlich sich selbst gegenüber zu sein.

 

Die wichtigste Erkenntnis aber wäre: Bei seinem Vorhaben, die Einsamkeit zu überwinden, sollte er unbedingt aufhören zu kämpfen. Siegmund wäre also gut beraten, sowohl seine inneren als auch die äußeren Kämpfe hinter sich zu lassen. Statt vorwurfsvoll zu fragen, warum sich all die Ignoranten von ihm abwenden, und statt das deutlich wahrnehmbare fordernde Wollen, die äußerlich spürbare Gereiztheit vor sich herzutragen, könnte er beispielsweise sich seinen Kampfmodus bewusstmachen. Oder er könnte sich im Zuhören üben …

 

Und natürlich würde ich ihm empfehlen, die Imagination sensorischer Eindrücke, die im LangeWeg beschrieben wird, anzuwenden, um seine Gefühle – vor allem die Angst vor Ablehnung, die Unsicherheit, die Wut – und seine Körpersprache, in erster Linie die Verkrampfung, vorteilhaft zu verändern und in eine neue Richtung zu lenken. Dadurch kann die Begegnung mit anderen Menschen eine ganz neue Qualität bekommen.

 

4. Gesetz: Übernimm die volle Verantwortung für dein Leben

„Ach, das habe ich schon tausend Mal gehört – bitte nicht schon wieder!“, magst du vielleicht denken. Ich weiß, das vierte Gesetz des LangeWeges hört sich wirklich nicht wie ein großartiger Appell an. Wenn du den LangeWeg beschreiten möchtest, kommst du jedoch um dieses wichtige Gesetz nicht herum.

Und du wirst vielleicht doch über die große Tragweite des Gesetzes erstaunt sein. Darum geht’s im nächsten Basic-Artikel am 09.10.2020

 

Ich freue mich, dich dann wieder als Leser begrüßen zu dürfen.

 

Geh beharrlich deinen Weg – meine besten Wünsche begleiten dich dabei

Herbert Lange

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Renate (Freitag, 25 September 2020 15:34)

    Hallo Herbert,
    ich finde deinen Artikel sehr gut geschrieben. Die Sprache ist gut verständlich. Allerdings könnte ich mir vorstellen, dass der komplexe Inhalt für Menschen ohne psychologisches Vorwissen nicht unbedingt verstanden wird.
    Lieber Gruß aus der Oberpfalz, bin schon auf deinen nächsten Artikel gespannt.