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Markus geht „induktiv“ durchs Leben

 

An einem Samstagmorgen gegen 8:30 Uhr wird Markus allmählich munter.

Seine Freundin liegt nicht mehr neben ihm im gemeinsamen Bett, weil sie als Krankenschwester Frühdienst hat und zeitig aufstehen musste. Er hat noch einen leichten Brummschädel, weil er mit seinen Kumpels am Vorabend etwas versumpft war.

 

Leicht angeschlagen starrt er an die Decke und sinniert über die gestrigen Gespräche mit seinen Kumpanen nach. Ausnahmsweise redeten sie nicht über Fußball, den nächsten Urlaub oder über irgendjemanden, über den man lästern konnte … Nein, dieses Mal ging´s um etwas ziemlich Ungewöhnliches, nämlich um Lebensplanung.

 

Markus kann nicht mehr rekonstruieren, wie sie ausgerechnet darauf gekommen waren. Das war doch einigermaßen untypisch für die Clique, aber dennoch spannend, denkt er. Jedenfalls beschrieb jeder seiner fünf Kumpels, wie das Leben für ihn wunschgemäß weiterlaufen sollte.

 

Sein ältester Freund Max überraschte ihn dabei mit ein paar interessanten Gedanken. Er meinte, dass Achtsamkeit ganz allgemein für die künftige Lebensplanung eine wichtige Rolle spielen würde. Zum einen, weil Achtsamkeit helfe, die eigenen Wünsche und Bedürfnisse sehr genau zu erspüren. Darüber hinaus sei sie dabei dienlich, den eigenen Weg konsequenter zu gehen. Achtsamkeit führte auch dazu, konzentriert bei einer Sache zu bleiben und sich dabei weniger ablenken zu lassen. 

 

Achtsam sein Leben lenken lernen

Robert, der auch mit dabei war, erwähnte, dass er vor kurzem eine Art „Betriebsanleitung“ fürs Leben gelesen habe. In dem Buch werde, wie Max schon sagte, die Bedeutung der Achtsamkeit auch stark betont. Die Anleitung beinhalte noch zusätzlich einen Weg der wirksamen Selbstlenkung. Ihn hatte dabei besonders die Wahrnehmung der eignen Sabotage-Programme interessiert. Dabei handle es sich um verinnerlichte Verhaltensmuster, die einen daran hindern, so zu sein, wie man es sich eigentlich wünscht. Der Anleitung zufolge käme man diesen hinderlichen Mustern beispielsweise mit einer „deduktiven“ oder mit einer „induktiven“ Methode auf die Spur.

 

Robert erklärte auch, was damit gemeint war: Induktiv heißt, dass du aufgrund einzelner Wahrnehmungen auf übergeordnete Muster schließt.

Deduktiv bedeutet, dass du das übergeordnete Steuerungsmuster mittels eines Tests erkundest, um dann zu prüfen, in welchen Situationen sich das Muster in deinem Alltag auswirkt. 

 

Markus übt sich in Achtsamkeit

Er spürt ganz intuitiv, dass der von Max und Robert vertretene Ansatz auch für ihn passen könnte. Obwohl Markus mit seinem Leben im Großen und Ganzen zufrieden ist, hat er doch manchmal das Gefühl, dass manche Dinge besser laufen könnten. Also entschließt er sich, die „Betriebsanleitung“ zu studieren.

 

Nach der Lektüre ist ihm einiges klarer. Im Umgang mit bestimmten Menschen hat er häufig unangenehme Gefühle. Das gilt beispielsweise für die Beziehung zu seiner Mutter. Er liebt seine Mutter sehr, dennoch geht sie ihm auch öfter auf die Nerven. Immer wieder sagt sie ihm, was er zu tun oder zu lassen habe – sicher in der besten Absicht, aber wie gesagt, das geht ihm mächtig auf den Keks.

 

Aber wie reagiert er bislang darauf? Zwar ärgert er sich meist, schenkt diesem Gefühl jedoch in der Regel nicht die gebührende Achtsamkeit. Und der Ärger bewirkt fast automatisch stets ähnliche Verhaltensweisen. Manchmal streitet er sich in solchen Situationen mit der Mutter und hält ihr die ewige Bevormundung vor. Meist jedoch schluckt er den Groll, sagt „Ja, ja …“ und tut dann doch, was Muttern von ihm erwartet.

 

Je klarer Markus diese Zusammenhänge werden, desto mehr erkennt er seine Verhaltensmuster auch anderen Menschen gegenüber. An seinem Arbeitsplatz gibt es beispielsweise zwei, drei Kollegen, auf die er mit einem ähnlichen Erlebens- und Verhaltensmuster reagiert.

 

Nachdem er die „Betriebsanleitung“ gelesen hat, weiß er, dass stets wiederkehrende negative Gefühle bei sich wiederholenden Situationen oder Begegnungen eine wichtige Warnfunktion haben können. Es wird ihm auch klar, dass er sich keinen Gefallen damit tut, derartige Warnungen fortgesetzt in den Wind zu schlagen und nach alten Mustern wie automatisiert zu reagieren – ja, davon ist er jetzt überzeugt.

 

Die nützliche Achtsamkeit im Alltag

Traditionell hat Achtsamkeit die Funktion, etwas Bestimmtes bewusst wahrzunehmen – Gefühle, körperliche Empfindungen, Gedanken, Verhaltensweisen, andere Menschen, die Umwelt ... –, ohne dabei diese Wahrnehmungen zu bewerten.

Dieses bewertungslose oder bewertungsreduzierte Wahrnehmen macht es möglich, sich nach und nach von bestimmten Verarbeitungsmustern zu distanzieren.

 

Im Zusammenhang mit dem LangeWeg, der in der „Betriebsanleitung“ beschrieben wird, dient die achtsame Wahrnehmung darüber hinaus dem Verständnis bestimmter Zusammenhänge. Im Falle von Markus würde das bedeuten, dass er zwar bei bestimmten Begegnungen immer wieder Ärger spürt, ihn – im Unterschied zu früher – aber nicht mehr bewertet, sondern lediglich wahrnimmt. Wenn ihm das gelingt, wäre der nächste Schritt, das Gefühl zu verstehen, also das Steuerungsmuster hinter dem Gefühl nachvollziehen zu können. In den weiteren Schritten könnten dann die unvorteilhaften Muster aufgelöst oder abgeschwächt werden. 

 

Der LangeWeg auch als „Anti-Viren-Programm“

Markus übte sich daraufhin darin, achtsam mit wiederkehrenden schwierigen Situationen und Begegnungen umzugehen. Anschließend versuchte er, für seine unvorteilhaften Verarbeitungsmuster eine Erklärung, ein sogenanntes Narrativ, zu entwickeln. Und er ging noch einen Schritt weiter: Ergänzend dazu füllte er den Selbst-Test des LangeWeges aus. Der Test kann helfen, schädliche Muster aufzuspüren. Bei der Testauswertung werden die jeweiligen Verhaltensmuster darüber hinaus erklärt.

 

Insofern hat Markus beide Methoden zum Aufspüren seiner Sabotage-Programme genutzt. Einerseits spürte er die Muster induktiv durch vermehrte Achtsamkeit selbst auf. Andererseits kam er den Mustern durch den Selbst-Test deduktiv auf die Schliche.

 

Der Test bestätigte, ergänzte und korrigierte Markus´ Einschätzungen. Als inzwischen überzeugter LangeWeg-Geher macht er sich seitdem auf den Weg, der Schadsoftware zu Leibe zu rücken.

Schließlich verfolgt er das Ziel, bisher belastende Begegnungen künftig deutlich stressfreier zu erleben. 

 

Obacht!

Die Achtsamkeit ist dir keineswegs nur beim Aufspüren unvorteilhafter Denk-, Fühl- und Verhaltensmuster dienlich. Sie beinhaltet noch viele weitere nützliche Aspekte. Beispielsweise kannst du dich mit ihr, wie schon erwähnt, von solchen Mustern distanzieren. Aber auch gegenüber Menschen mit bestimmten für dich nicht förderlichen Beziehungsangeboten kannst du auf Distanz gehen …

 

Und nicht zuletzt: Auch beim Genießen spielt Achtsamkeit eine große Rolle.

Lese dazu meinen Artikel über Simone.

 

„In der Krise müssen wir doch zusammenhalten!“

Warum nur in der Krise? Beim LangeWeg basiert die Persönlichkeitsentwicklung auch sehr stark auf Kooperation. Damit unterscheidet er sich von vielen Ansätzen, die vornehmlich die individuelle Stärke betonen und die Haltung fördern, möglichst autonom und unabhängig von anderen Menschen zu sein.

 

Im nächsten Basic-Artikel am 14.08.2020 wird die Vorstellung der LangeWeg-Gesetze kurzfristig unterbrochen. Im Artikel werde ich beschreiben, wie nützlich und wie erquicklich kooperatives Denken und Verhalten bei der eigenen Persönlichkeitsentwicklung ist.

 

Ich freue mich, dich dann wieder als Leser begrüßen zu dürfen.

 

Geh beharrlich deinen Weg – meine besten Wünsche begleiten dich dabei

Herbert Lange

 

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