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Paul – Die Sinnkrise beenden

 

 

Paul führt mit seinen zweiundfünfzig Jahren ein beneidenswertes Leben. Er hat eine einfühlsame, kluge und ihn stets unterstützende Ehefrau. Das Paar hat drei schon erwachsene Kinder, denen es gut geht und die ihren Weg gehen. Als Produktmanager in einem größeren Unternehmen verdient er nicht nur gut, er ist dort zudem als äußerst erfolgreicher und zugleich teamfähiger Mitarbeiter hochgeschätzt. Mit seiner Frau wohnt Paul in einem Einfamilienhaus im Speckgürtel einer deutschen Großstadt. Ein SUV, ein Stadtflitzer und seine

MV Augusta stehen in den beiden Garagen. Besser geht’s nicht, oder!?

 

Seltsamerweise beschleicht Paul seit ein paar Jahren ein Gefühl der Unzufriedenheit – eine Art Langeweile, Überdruss gepaart mit Leere.

Er hat es schwer, die richtigen Worte dafür zu finden. Woher diese Gefühle kommen, weiß er nicht. Er sprach zwar auch schon mit seiner Frau darüber, die aber auch keinen Rat weiß und eigentlich auch nicht so recht versteht, wo das Problem liegt.

 

Üblicherweise bevorzugt das Paar im Urlaub, Städtereisen zu unternehmen. Letztes Jahr beschlossen beide mal, die Natur zu genießen. Es ging nach Norwegen, wo sie wanderten, Rad fuhren und sich an der herrlichen Landschaft erfreuten. Dort latschten nicht Menschenmassen wortlos und desinteressiert an ihnen vorbei. Wenn sie auf ihren Rad- oder Wandertouren mal jemandem begegneten, dann ergaben sich nicht selten längere und interessante Gespräche. Für Paul waren das ganz neue Erfahrungen.

 

Weil Paul seinem besten Freund von seinen unerklärlichen Gefühlen erzählt hatte, empfahl dieser ihm, als Urlaubslektüre ein Taschenbuch mit in den Rucksack zu packen: „Wer nix checkt, kann nix ändern!“ Der Freund erzählte ihm, dass man durch das Buch herausfinden kann, wie man selbst tickt und wie es einem möglich ist, sich selbst vorteilhaft zu lenken.

 

Also schmökerte Paul während des Urlaubs in diesem Büchlein.

Mit psychologischen Themen kam er berufsbedingt hin und wieder in Berührung. Aber im Unterschied dazu ging es in diesem Taschenbuch nicht um eine leistungsfördernde Selbstoptimierung. Bald erkannte er, dass das Buch eher eine Anleitung dafür ist, das eigene Leben „gedeihlich“ (so die aus seiner Sicht etwas antiquierte Wortwahl des Autors) zu steuern. Die Lektüre gab ihm einen Eindruck davon, was ein gesundes und „eingebettetes“ persönliches Wachstum bedeuten kann.

 

Zum Glück hatte Paul seinen Laptop in Norwegen dabei. So war es ihm möglich, den im Buch angegebenen Link zum LangeWeg-Test mitsamt seinen Erklärungen downzuloaden und zu lesen. Und dabei kam er allmählich seinem eigenen Rätsel auf die Spur. Nach und nach verstand er seine mysteriösen Gefühle immer besser und er entwickelte eine Vorstellung davon, wie die Dinge bei ihm zusammenhingen.

 

Neben einigen interessanten Details war seine Haupterkenntnis durch den Test die, dass er bisher ein sehr angepasstes und stromlinienförmiges Leben geführt hat. Sehr vielen Regungen und Strebungen im Laufe seines Lebens folgte er nicht. Stattdessen tat er fast immer das, was von ihm erwartet wurde, was seiner Karriere dienlich war, was der Familie half und was sonst noch normal und üblich war.

 

Zwar hatte er zwischendurch immer wieder einmal ein paar „ausgeflippte“ Ideen oder er spürte Experimentierfreude und unerfüllte Sehnsüchte nach mehr Freiheit, aber so gut wie alles wurde sehr schnell wieder zugunsten von Vernunft und Normalität flachgewalzt. Die jahrelange Unterdrückung der vielen „Nebenregungen“ hinterließ zunehmend Spuren in seiner Lebenszufriedenheit, sie schien ihm buchstäblich aufs Gemüt zu schlagen.

 

„Welches Tier wäre ich, wenn ich es mir aussuchen könnte?“, fragte sich Paul einmal. Und er entschied sich für den Fischotter – quirlig, neugierig und verspielt. Tatsächlich fühlt er sich aber eher ausgebremst und eingeengt, ähnlich wie ein Vogel mit gestutzten Flügeln. 

 

Die möglichen Konsequenzen

Sollten dem Vogel künftig neue Flügel wachsen, dann hätte das Folgen, war Paul spontan klar. Beispielsweise würden sicher Konflikte mit der Gattin drohen, wenn er plötzlich aus dem Gewohnten, Verlässlichen ausscheren würde. Aber er verstand schnell, dass genau diese Befürchtung bisher verhindert hatte, dass ihm Flügel wachsen konnten. Flugfähig zu sein, barg für ihn bis dato eine diffuse Gefahr. Dieser nicht richtig fassbaren Gefahr versuchte er durch Anpassung bzw. Vermeidung auszuweichen – mit Folgen für sein Seelenleben und seine Lebenszufriedenheit.

 

Paul konservierte also seine unliebsame Situation, indem der das 2. Gesetz des LangeWeges missachtete: Menschen erhalten ihre Probleme häufig dadurch aufrecht, dass sie kämpfen, flüchten, vermeiden und/oder sich unterwerfen.

 

Aber wenn er beispielsweise ein Schwitzhüttenseminar für Männer besuchen oder für zwei Wochen allein ins Kloster gehen würde oder wenn er einen Workshop für Improvisationstheater buchen wollte … was wäre daran schlimm? Würde seine Frau deshalb auf die Barrikaden gehen? Eher nicht. Sicher würde sie manchmal das Gesicht verziehen, die Augen verdrehen, ihn auslachen oder ihn sogar verstehen, aber sie würde deshalb bestimmt nicht gleich die Partnerschaft infrage stellen. Schließlich könnte ihre lange Beziehung dadurch auch neue Impulse bekommen. Und wenn nicht? Dann würde sich zeigen, ob die Beziehung dies aushalten konnte! Das waren für Paul wichtige Überlegungen.

 

Paul beschließt, diese Gedanken mit seiner Frau zu besprechen. Aber bevor er die Schwitzhütte und andere spannende Vorhaben in die Tat umsetzt, möchte er für sich ganz grundsätzlich klären, wie es für ihn weitergehen könnte. Dazu nutzt er nun den LangeWeg, die „Betriebsanleitung“ dafür hat er ja jetzt in der Hand.

 

Eine Anmerkung zum psychologischen Hintergrund: In der medizinischen Tradition werden Symptome – auch psychische oder psychosomatische – gerne als Probleme, als sichtbare Manifestationen von Krankheiten angesehen. Probleme, die stören, einengen, unangenehm sind oder gar schmerzen.

Deshalb müssen sie weg, und zwar mithilfe verschiedener „Helferlein“ von außen: mit Beruhigungs-, Schlaf- und Schmerzmitteln oder auch mit Antidepressiva. Doch mit diesen Mitteln werden die Schwierigkeiten nur zugedeckt. Und genau das ist die Krux an der Sache: Zudecken bedeutet hier chemisch übertünchen, nicht lösen.

 

Als LangeWeg-Geher weißt du jedoch, dass Symptome eine wichtige Warnfunktion haben können. Sie weisen häufig darauf hin, dass etwas in deinem Leben falsch läuft. Statt gleich dem Reparaturreflex zu folgen, bist du also oft besser beraten, die Symptome zu verstehen. Auf der Grundlage dieses Verständnisses kannst du dann ursächlicher das Bedingungsgefüge der Probleme beeinflussen. Die bloße Reparatur konserviert die Schwierigkeiten häufig nur.

 

1. Gesetz: Das Spiegel-Gesetz

Nachdem ich am 22.05.2020 ganz allgemein die „Grundgesetze“ des LangeWeges beschrieben habe, möchte ich dir in der Basic-Blog-Reihe nun die einzelnen Gesetze konkret vorstellen.

Viele zwischenmenschliche Konflikte spiegeln innerpsychische Konflikte und umgekehrt … darum geht’s im nächsten Basic-Artikel am 19.06.2020.

 

Ich freue mich, dich dann wieder als Leser begrüßen zu dürfen.

 

Geh beharrlich deinen Weg – meine besten Wünsche begleiten dich dabei

Herbert Lange

 

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