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Lisa – zwischenmenschliche Konflikte lösen

 

Ganz generell möchte ich zunächst anmerken, dass Konflikte in aller Regel nur dann dauerhaft gelösten werden können, wenn die Bedingungen, die den Konflikt ausgelöst haben und die ihn aufrechterhalten, offengelegt werden.

 

Dies erfordert von den beteiligten Parteien sehr viel Mut und Offenheit. Offenheit setzt Vertrauen voraus, das im Konfliktfall jedoch beschädigt worden ist – das macht die Konfliktlösung oft so schwer.

 

Deshalb ist es in vielen Fällen vorteilhaft, eine dritte neutrale und unabhängige Partei beim Versuch der Lösung mit hinzuzuziehen, insbesondere dann, wenn der Konflikt bereits eine hohe Eskalationsstufe erreicht hat. Diese sollte das Vertrauen beider Seiten genießen und sie sollte im Umgang mit Konflikten qualifiziert sein.

 

Versucht man, mit dem Konflikt lediglich auf der Verhaltensebene „umzugehen“ – indem man beispielsweise bestimmte Verhaltensregeln für beide Parteien vereinbart – ohne die zugrunde liegenden Konfliktbedingungen zu klären, dann sind die Lösungsaussichten eher gering.

 

Gerade bei den zwischenmenschlichen Konflikten ist es von großer Bedeutung, die sie häufig steuernde halb- und unbewusste „Software“ offenzulegen – sonst ist die Gefahr groß, dass diese ihren destruktiven Einfluss weiter ausübt.

 

Ist der Nährboden des Konfliktgeschehens erst einmal offengelegt, dann kann dieser angegangen werden und die Erarbeitung praktischer Lösungsvorschläge wird möglich.

 

In meinem Buch „Wer nix checkt, kann nix ändern!“ habe ich erläutert, dass sogenannte interpersonale, also äußere zwischenmenschliche Konflikte innere, intrapersonale Konflikte spiegeln können.

So auch bei Lisa ...

 

Die Geschichte

Lisa ist alles andere als eine Streithenne. Im Gegenteil, sie ist geradezu harmoniesüchtig. Ist sie mit anderen Menschen zusammen und beginnt ein dunkles Konfliktwölkchen aufzuziehen, ist sie stets bemüht, das Wölkchen so schnell es geht zu vertreiben – indem sie gute Laune verbreitet, flugs Lösungen aus dem Hut zaubert, nicht selten auch gern ihre Hilfe anbietet, um anderen Unangenehmes zu ersparen.

 

Man muss sich also schon gewaltig anstrengen, um mit der „herzensguten“ Lisa zwischenmenschliche Probleme zu bekommen.

Aber der Mensch wäre nicht Mensch, wenn er dieses Kunststück nicht auch hinbekäme. 

 

Lisa mit dem roten Knopf auf der Stirn

Alle, die mit Lisa zu tun haben, wissen über ihre Harmoniebedürftigkeit Bescheid. Sie ist wie ein roter Knopf auf ihrer Stirn sichtbar. Den meisten von ihnen kommt aber deshalb nicht in den Sinn, dies zum eigenen Vorteil auszunutzen.

Ganz anders verhält sich das bei ihrer neuen Kollegin ...

 

Die Konfliktentwicklung

Seit gut einem Jahr arbeitet Lisa mit der neuen Kollegin Henriette zusammen. Beide sind Schreibkräfte in einem gemeinsam genutzten Arbeitszimmer. Eine Hierarchie besteht zwischen beiden offiziell nicht, inoffiziell aber immer mehr.

 

Gleich zu Beginn konnte Lisa spüren, dass ihre Nettigkeit nicht den gewohnten und gewünschten Effekt erzielte. Gerade weil sie das so empfand, strengte sie sich zunächst umso mehr an, Henriette zuvorkommend und entlastend zu behandeln. Gab es etwas Unangenehmes zu erledigen, bot sich Lisa an.

Ging es um die Urlaubsplanung, trat Lisa von ihren Wünschen zugunsten Henriettes zurück.

 

Henriette quittierte dies jedoch nicht mit einer vergleichbaren Höflichkeit. Nein, sie spürte, hier war noch mehr rauszuholen. Immer mehr übernahm sie das Oberkommando. Lisa empfing zunehmend Anweisungen von ihr. Die Arbeit wurde immer weniger gerecht und nicht mehr im gegenseitigen Einvernehmen aufgeteilt. Nein, Henriette bestimmte, wer was bis wann zu tun hatte – meist zum Nachteil Lisas.

 

Nun, wie reagierte Lisa auf diese Entwicklung? Im Stillen dachte sie sich, dass ihre Kollegin eine undankbare und herrschsüchtige „dämliche Kuh“ sei. Sie ärgerte sich über Henriette, aber auch über sich selbst – weil sie es zuließ, von ihr kommandiert zu werden. Gleichzeitig spürte sie Angst und Ohnmacht, die sie daran hinderte, gegenüber Henriette einen klaren, festen und abgrenzenden Standpunkt einzunehmen. Lisa wollte sich behaupten, konnte es aber (noch) nicht – darin bestand ihr innerer Konflikt.

 

Lisa zeigte dann mehr und mehr ein eher passiv-aggressives Verhalten. Entgegenkommende Dienste bot sie von sich aus nicht mehr an. Wichtige Informationen von außen, die sie beide als Schreibkräfte angingen, teilte sie Henriette nicht mehr mit usw.

 

Henriette nahm dies durchaus wahr und reagierte darauf offen aggressiv, indem sie noch öfter und noch lauter herumkommandierte.

Lisas ungelöster innerer Konflikt trug also dazu bei, dass sich der äußere (sichtbare und hörbare) Konflikt zwischen beiden aufschaukelte.

 

Lisas Antwort mithilfe des LangeWeges

Als Praxis-Artikel-Leser weißt du sicher, wie Lisa hätte vorgehen können. Zunächst wäre es vorteilhaft gewesen, mittels des Selbsteinschätzungsbogens ihre mögliche Malware zu checken, um sie anschließend abzuschwächen. Dann hätte sie im Umgang mit Henriette die Drei-Schritte-Methode anwenden können.

 

Darüber hinaus wäre sie gut beraten gewesen, das 2. Gesetz des LangeWeges zu berücksichtigen: „Menschen erhalten ihre Probleme häufig dadurch aufrecht, dass sie kämpfen, flüchten, vermeiden und/oder sich unterwerfen.“ Erinnere dich an die Spitz-Story aus dem Buch! Henriette mit ihren Kommandos wäre in diesem Fall der bellende bedrohliche Hund. Lisa sollte nun nicht den Fehler begehen, darauf mit Kampf, Flucht oder Unterwerfung zu reagieren.

 

Stattdessen wäre ihr zu empfehlen, mit der Drei-Schritte-Methode einen klaren und festen inneren Standpunkt zu entwickeln, den sie anschließend nach außen deutlich und robust vertreten könnte – ohne sich dabei in innere oder äußere Kämpfe zu verheddern.

Flucht, Vermeidung oder Resignation wären dann auch überflüssig geworden.

 

Einführung – die „Grundgesetze“ beachten

Die „Grundgesetze“ bilden eine wichtige Säule des LangeWeges. Im nächsten Basic-Artikel am 22.05.2020 möchte ich allgemein auf die Bedeutung der Gesetze eingehen.

 

In den darauf folgenden Basic-Artikeln beschreibe ich die einzelnen Gesetze anschließend ausführlicher.

 

Ich freue mich, dich dann wieder als Leser begrüßen zu dürfen.

Geh beharrlich deinen Weg – meine besten Wünsche begleiten dich dabei

Herbert Lange

 

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