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Thomas – Selbstvertrauen aufbauen

 

Selbstwertgefühl, Selbstvertrauen, Selbstsicherheit, Selbstbewusstsein – diese Begriffe und die Frage, wie man sie aufbauen oder stärken kann, zählen zu den besonders häufig gesuchten psychologischen Themen im Internet. Dabei werden die Begriffe oft gleichbedeutend verwendet, beispielsweise scheinen viele unter Selbstbewusstsein dasselbe zu verstehen wie unter Selbstsicherheit.

 

Ein Grund für das große Interesse könnte in der Forderung unserer Leistungs- und Selbstoptimierungsgesellschaft liegen, sich ständig als starke Persönlichkeit präsentieren zu müssen, um erfolgreich zu sein. Deshalb wünschen sich viele, durchsetzungsstark, willensstark, überzeugend und selbstsicher gegenüber anderen auftreten zu können. Wichtig ist dabei besonders die Außenwirkung: „Wie wirke ich auf andere?“. Aber auch die Frage, wie ich mich selbst wahrnehme, spielt eine Rolle.

 

Für LangeWeg-Geher hingegen ist diese Wirkung eher sekundär – und das aus einem einfachen Grund: Wer ein gutes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen hat, der wirkt auch auf andere so! Wer selbstsicher und selbstbewusst ist, der ist nicht auf fortwährende Bestätigung von außen angewiesen, muss nicht ständig Likes auf Facebook und Instagram sammeln oder via Smartphone beweisen, wie toll er alles hinbekommt.

 

Wer hingegen den Schwerpunkt seines Handelns immer auf seine Wirkung legt, wird niemals so souverän sein, wie er es sich wünscht, und deshalb wird er auch nicht so wirken. Dieses „So tun, als ob“ wirkt dann sogar oft unfreiwillig komisch, weil Sein und Schein nicht zusammenpassen. Sich das einzugestehen, ist nicht einfach, deshalb beschummeln wirkungsorientierte Menschen häufig auch sich selbst. 

 

Die Begriffe

Mit dem LangeWeg kann es dir gelingen, Selbstwertgefühl, Selbstvertrauen, Selbstsicherheit und Selbstbewusstsein in dir aufbauen und so unabhängiger davon zu werden, wie du auf andere wirkst. Um das genauer darzustellen, sollen zunächst die einzelnen Begriffe geklärt werden.

 

Selbstwertgefühl

Hier geht es darum, wie ich mich selbst bewerte und welche Gefühle ich damit verbinde. Das Bedürfnis nach Selbstwerterhöhung ist eines der vier menschlichen psychischen Grundbedürfnisse. Wird dieses Bedürfnis gut befriedigt, so resultiert daraus nachweislich ein positiver Effekt auf die Gesundheit und die Zufriedenheit eines Menschen. Wird es vernachlässigt, hat dies hingegen negative Auswirkungen.

 

Selbstvertrauen

Es bezeichnet in erster Linie das Vertrauen in die eigenen Kompetenzen. Damit verbunden ist wiederum die Erwartung, durch das eigene Handeln seine Vorhaben erfolgreich umsetzen und die Dinge in seinem Sinne beeinflussen zu können (= Selbstwirksamkeitserwartung). Ich habe also die Überzeugung, aufgrund meiner Fähigkeiten eine Situation kontrollieren zu können.

Vom Selbstvertrauen unterscheidet sich das Urvertrauen insofern, als dieses eher eine Art Grundvertrauen bezeichnet, welches sich auf die Welt und die Menschen um uns herum bezieht. 

 

Selbstsicherheit

Sie ist nach meiner Definition das Vertrauen in sich selbst auf der Gefühlsebene. Das heißt, ich weiß nicht nur, dass ich es schaffen kann – aufgrund eines rein kognitiven (gedanklichen) Aktes, der mir sagt, dass ich eine ähnliche Situation in der Vergangenheit bereits erfolgreich bewältigt habe –, sondern ich habe ein Gefühl der Sicherheit, dass es ganz genau so, wie ich es vorhabe oder mir wünsche, kommen wird. Selbstvertrauen und Selbstsicherheit können durchaus divergieren. Mein Verstand kann mir ohne Weiteres sagen, dass ich bestimmte Probleme lösen kann, dennoch ist es möglich, dass ich in der konkreten Situation sehr unsicher bin, ob die Sache gut ausgehen wird. 

 

Selbstbewusstsein

Der Duden nennt zwei Bedeutungen des Begriffs: zum einen „das Überzeugtsein von seinen Fähigkeiten, von seinem Wert als Person, das sich besonders in selbstsicherem Auftreten ausdrückt“ und zum anderen „das Bewusstsein (des Menschen) von sich selbst als denkendem Wesen“. Die erste Bedeutung spiegelt eher die Wirkung auf die Außenwelt wider. Ich verwende den Begriff jedoch in der zweiten genannten Bedeutung: Ich bin mir meiner selbst bewusst.

 

Der LangeWeg möchte dich dabei unterstützen, die Selbstsicherheit auf der Basis eines hohen Selbstbewusstseins zu stärken. Dazu schauen wir uns das Beispiel von Thomas an.

 

Die Geschichte

Thomas ist neunzehn Jahre alt, bewohnt allein eine kleine Zweizimmerwohnung und steht kurz vor dem Abschluss seiner Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker. Im Job läuft´s ganz gut, aber mit seinem sonstigen Leben ist er unzufrieden. Er hat kaum Freunde und Bekannte und vor allem, dass er keine Freundin hat, bekümmert ihn sehr. Sein liebstes Hobby ist Schachspielen. Er spielt im Verein und das ziemlich erfolgreich. Dennoch kommt er mit niemandem näher in Kontakt.

 

Dass er im Umgang mit anderen Menschen grundsätzlich etwas scheu ist, hat seiner Meinung nach etwas mit seiner Vergangenheit zu tun.

 

Als zweites Kind wuchs er mit einem vier Jahre älteren Bruder und einer drei Jahre jüngeren Schwester auf. Der Bruder dominierte ihn stark und die Schwester genoss als Nesthäkchen stets eine beschützte Sonderrolle, die sie bisweilen geschickt auszunutzen wusste, meist zum Nachteil von Thomas. Auch in der Schule hatte er einen schweren Stand. Er war dicklich, im Sport eine ziemliche Niete und im Umgang mit den Mitschülern unsicher. Nicht selten wurde er gehänselt oder die anderen spotteten über ihn.

 

Nur zwei Dinge konnte er schon damals gut: Schachspielen und – etwas später – an seinem Moped herumbasteln. Gemeinsam war beiden Hobbys, dass er sich dabei in seiner ganz eigenen Welt bewegte. Beim Schach machte sich niemand über ihn lustig, da hatte er die Situation im Griff. Als er sich später ein Moped zulegte, dauerte es nicht lange, bis er ganz allein den Motor auseinander- und danach wieder zusammenbauen und die meisten Reparaturen selbst erledigte konnte. Auch da redete ihm niemand rein, das war seine Welt.

 

Wenn er nun heute an manchen Abenden so auf seinem Bett liegt und die Decke anschaut, denkt er häufig, dass sein Leben doch in ziemlich öden Bahnen verläuft. Vor allem vermisst er den Kontakt und die Bindung zu anderen Menschen. Zwar hat er sich an das Alleinsein schon zum Teil gewöhnt – aber eben nicht ganz. Er fühlt sich einsam, und das schmerzt ihn zunehmend. Voller Wut und mit Tränen in den Augen schlägt er mit der Faust auf sein Bett und schreit: „Ich will hier raus! Das kann so nicht bleiben!“

 

Die Entscheidung

Thomas spürt, dass er an einer Weggabelung seines Lebens steht: entweder weiter im alten Trott oder mutig etwas Neues wagen. So banal es klingen mag, aber am Anfang eines Kurswechsels steht (fast immer) eine Entscheidung. Gerade weil diese Entscheidung oft nicht einfach ist, wird sie gerne hinausgeschoben, nicht selten bis zum Sankt Nimmerleinstag.

 

Der erste Schritt zu einer Veränderung ist also stets, die Weggabelung als solche wahrzunehmen, um dann zu einem Entschluss zu kommen. 

 

Er will raus!

Aber wohin? Er denkt nach und kommt zu einem ersten überraschenden Ergebnis: Vieles kann so bleiben wie es ist! Der Job läuft gut, Schachspielen wird ihm auch weiterhin Spaß machen. Hier gibt es keinen Änderungsbedarf.

 

Bezüglich seiner sozialen Beziehungen schaut es jedoch ganz anders aus. In der Vergangenheit war er durchaus nicht komplett ohne Kontakte. Thomas hatte bis zu seinem vierzehnten Lebensjahr einen sehr guten Freund, der jedoch wegzog in eine andere Stadt. Mit fünfzehn hatte er sogar einmal kurzfristig eine Freundin. Ein paar eher lose Bekanntschaften gibt es bis heute. Deshalb war Thomas das gute Gefühl, mit anderen verbunden zu sein, durchaus bekannt. Nur war das im Laufe seines Lebens viel zu selten vorgekommen.

 

Er nimmt sich also vor, an seinem sozialen Netz zu arbeiten und Kontakte zu knüpfen bzw. zu stärken. Er wünscht sich ein bis zwei echte Freunde und beschließt, einen guten Bekanntenkreis von ca. fünf Personen aufzubauen. Und sollte ihm aufgrund der erhofften vermehrten Kontakte eine sympathische junge Frau begegnen, will er die Initiative ergreifen, um sie näher kennenzulernen.

 

Soweit seine Ziele – jetzt fehlt noch der Plan. Generell ist ihm klar, dass er bezüglich des Kontaktknüpfens aktiv werden muss. Er könnte beispielsweise sympathische Leute aus seinem Schachverein ansprechen, um mit ihnen etwas zu unternehmen. Es gibt da sogar eine Schachspielerin in seinem Alter, die er ganz gern zu einem Kaffee einladen würde.

 

Gute Ideen, was er tun könnte, sind also nicht das Problem. Aber seine Schüchternheit hat ihn bislang von derlei Aktionen abgehalten. Es sind die Gefühle – soziale Ängste und Unsicherheiten –, die ihm im Weg stehen.

Darin liegt sein eigentliches Problem. 

 

Wie der LangeWeg Thomas helfen könnte

Thomas könnte mithilfe des LangeWeges lernen, seine Gefühle besser zu steuern. Er weiß, bei welchen Gelegenheiten er die besagten Personen ansprechen könnte. Auch ist ihm klar, was er sie fragen bzw. zu was er sie einladen könnte. Aber allein bei der Vorstellung, dies umzusetzen, bekommt er weiche Knie. Was also könnte er tun?

 

Die ausführliche Antwort darauf findet sich in meinem Buch zum LangeWeg „Wer nix checkt, kann nix ändern!“. Da du diesen Praxis-Artikel liest, kennst du es vermutlich schon und weißt, wie Thomas jetzt vorgehen könnte. Zunächst empfiehlt es sich, dass Thomas den Selbsteinschätzungsbogen zur Erkennung seiner Schadsoftware ausfüllt. Damit kommt er schon einmal den Gründen für seine Unsicherheit und Scheu in Bezug auf soziale Beziehungen auf die Schliche. Dabei könnten vielleicht die Aussagen Nr. 5 und Nr. 17 bis 19 von Bedeutung sein. Die so erarbeiteten unvorteilhaften Gewohnheitsmuster kann er dann mithilfe des LangeWeges allmählich auflösen oder zumindest abschwächen.

 

Konkret wäre bei seinen sozialen Ängsten die Drei-Schritte-Methode zur Gefühlssteuerung anzuraten: 1. Schritt – Distanzierung von den belastenden Gefühlen in einer konkreten Situation; 2. Schritt – emotionale Zielbilder entwickeln; 3. Schritt – mögliche Hürden und Hindernisse ins Kopfkino mit einbauen. 

 

Setzt Thomas die Drei-Schritte-Methode zur Affektregulation konsequent und ausdauernd um, kann sein Selbstvertrauen auf längere Sicht deutlich wachsen, wenn es darum geht, zwischenmenschliche Kontakte anzubahnen und zu pflegen. 

 

Gedanken zur Freiheit

Im nächsten Basic-Artikel am 24.04.2020 geht es um das Thema „Freiheit“: zunächst um ein paar eher philosophische Überlegungen und nachfolgend darum, was Freiheit für dich konkret bedeuten kann.

 

Ich freue mich, dich dann wieder als Leser begrüßen zu dürfen.

 

Geh beharrlich deinen Weg – meine besten Wünsche begleiten dich dabei

Herbert Lange

 

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